Modellbau im Wunderland

Das Miniatur Wunderland unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Großanlagen - nicht nur in der Liebe zum Detail und dem Arbeitsaufwand. Andererseits kann das Wunderland natürlich nie die Detailtreue erreichen, die manche 10qm Heimbauplatten haben, die über 40 Jahre mit Liebe und Hingabe gebaut wurden.

Der nachfolgende Text von Gerhard Dauscher, dem Wunderländer Chefmodellbauer, beschreibt, was das Wunderland aus modellbauerischer Perspektive besonders macht.

Modellbau im Wunderland aus der Sicht von Gerhard Dauscher

Im Wunderland wurde nicht nur die Anlagenoberfläche bebaut, sondern zusätzlich die Anlagen-Zarge (Vorder- oder Abschlusskante) als Modellbaufläche entdeckt. Viele modellbauerische Ideen, wie zum Beispiel Bergwerk, U-Bahnstation, Tropfsteinhöhle, Gruft, Atlantis, Area 51, usw. sind auf Augenhöhe von Kindern zu entdecken. Im Skandinavienabschnitt kann man ohne Taucherbrille in die Tiefen des Ozeans abtauchen, durch eine Plexiglasscheibe an der Anlagenvorderkante des Echtwasserbeckens ist die Sicht zum Meeresgrund frei.

Gebäude die direkt an der Anlagenkante stehen zeigen durch das Weglassen der Vorderwand das Leben hinter den Fassaden. Privatwohnungen, Werkstätten und Industriebetriebe führen vor, was nötig ist um das Leben im Gang zu halten.  

Im Wunderland gibt es "Verkehrswege auf allen Ebenen" mit unterschiedlichsten Fortbewegungsmitteln. Dazu gehören z.B.: die Bergwerksbahn, die U-Bahn, die Strassenbahn, die Waldbahn, die ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse, Feldwege, Kreisstrassen, Bundesstrassen, Autobahnen, Highways, Schifffahrtstrassen, der Hafen, das Meer, Segelflieger, ein Heißluftballon, eine Propellermaschine, ein Jet, aber auch ein Ufo. Und das Besondere ist, dass all diese Verkehrsmittel auch in Bewegung sind! 

Liebespaar im Sonnenblumenfeld

Im Wunderland sieht man nicht alles sofort  - vieles entdeckt man erst auf den zweiten Blick! Wie auf einer Schatzsuche müssen manche Überraschungen entdeckt werden und damit man den Überblick behält, wurden extra Trittstufen an den Geländern angebracht. Von „oben“ sind Details zu sehen, die sich in Hinterhöfen, hinter Bäumen, oder inmitten eines Sonnenblumenfeldes verstecken.

 

Und wer kennt nicht den Tunnelblick!? Im Wunderland kann man auf der Hochgeschwindigkeitstrasse durch einen Tunnel blicken und den aus 15 Meter Entfernung heranrauschenden ICE beobachten.

Damit aus einer Palette Stahl-, Holz- und Gipssäcken ein Gebirge wird, das mit vielschichtigen Gesteinsformationen durch Echtheit überzeugt, sind lange mühevolle Recherchen unter Zuhilfenahme von Fotos und geologischen Karten  unumgänglich. Man muss die Beschaffenheit der Felsen an deren Oberfläche sehen und fühlen können, was wiederum bedeutet, dass jeder Quadratzentimeter Gestein in aufwendiger Handarbeit mit selbst hergestelltem Werkzeug graviert wurde. Bis zu sechs verschiedene Farbaufträge verwandeln diese exzellente Handarbeit in ein fotorealistisches Massiv.

Rund 6,6 Milliarden Menschen bevölkern inzwischen die Erde und bringen durch ihr Handeln sowohl Gutes, als auch weniger Gutes zustande. Möglichst aufmerksam beobachten die Mitarbeiter des Wunderlandes ihre Umwelt und sammeln auf, was ihnen an Alltäglichem begegnet. Die Figuren im Wunderland verhalten sich demnach so wie ihre Vorbilder. Die Stationen des Lebens, von der Zeugung bis zum Tod, sind allgegenwärtig - sogar der Frage nach ausserirdischem Leben wurde nachgegangen. Dem Wunderländer ist anzusehen, was er gerade tut, die deutliche Ausdrucksweise in der Gestik und Mimik der Figuren lässt jegliche Gemütsverfassung erkennen. In dieser Echtheit spiegelt sich der Alltag des Lebens. Es wäre also gut möglich, dass Sie sich selbst im Wunderland begegnen!

An diesem Kiosk gibt es frischen Lachs und andere Spezialitäten

Der Nachbau unserer Heimat in ihren vielfältigen Erscheinungsformen fällt uns relativ leicht. Schwieriger wird es, andere Länder nachzubauen. Denn selbst nach einem Urlaub im jeweiligen Land, stellt man hinterher doch meistens fest, dass man viele Details gar nicht bemerkt hat. Wie sieht ein dänischer Briefkasten aus? Welche Farbe hat eine schwedische Mülltonne? Wie groß ist eine schweizer Telefonzelle? Welche Feste und Traditionen gibt es in dem jeweiligen Land? Viele Kleinigkeiten verschweigen auch renommierte Reiseführer. Eine große Hilfe bei der richtigen Darstellung ist hingegen das Internet, sowie persönliche Kontakte ins Ausland. Oder man geht ins Miniatur Wunderland - hier lässt sich über ferne Länder viel lernen!

Andere Länder - andere Züge! Durch den Schritt über die Landesgrenzen hinaus rollen am Auge des Betrachters Züge in vielerlei Farben und Formen vorbei. Der Mut zu knalligen Farben lässt sich besonders in Norwegen und Schweden beobachten, die dortigen Erzzüge überraschen aber auch mit ihrer Länge und einer gewaltigen Zugkraft der Maschinen. Das Donnern und Stampfen des Bigboys, die grösste jemals gebaute Dampflok, lässt die Herzen der Besucher höher schlagen. Dass diese Bahn in den USA zwei Container aufeinander gestapelt und dazu ganze Züge mit fünf Lokomotiven ziehen kann, lässt sich im Wunderland genauestens studieren. In der Schweiz zieht der Glacierexpress auf der rätischen Schmalspurbahn die Augen der Besucher hinauf zu Heidis und Grossvaters Welt.

Durch die Simulation von Tag und Nacht auf der Modellanlage und das dadurch entstehende Lichtermeer, werden die Sinne aller Besucher angesprochen. Durch die Augen in den Kopf und weiter ins Gemüt dringen diese besonderen Eindrücke.

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