Newsmeldung Kategorie Aktion

20.09.2010 um 11:35 Uhr
Alter: 2 Jahr(e)

Zu Besuch bei ADRA in Carrefour

Fünfter Bericht - Montag, 20.09.2010

Nach den eindrucksvollen Stunden in Leogane machen wir uns auf den Weg zurück nach Port au Prince. Unser Ziel: die Zentrale von ADRA im Armenviertel Carrefour. Wieder benötigen wir für die 10 Kilometer weit mehr als eine Stunde. Die Straßen sind in marodem Zustand, das Erdbeben hat Brücken zerstört und Trümmerteile den Belag der Straße. Autofahren ist in Haiti eine Tortur und Gefahr- im Schnitt stehen die Bewohner zwei bis drei Stunden pro Tag im Stau und dutzende sterben im Verkehr.

Angekommen in Carrefour wiederholen sich die Bilder: Menschenmassen umgeben von Trümmern und Müll, Armut soweit das Auge reicht. Wir gehen an einem ausgetrockneten Fluss entlang, in dem sich meterhoch Plastikreste und anderer Dreck türmen. Es ist immer das Gleiche bis wir das Gelände von ADRA betreten. Was wir ab nun erleben ist verblüffend. Hinter dem Eingangstor herrscht Ordnung und wir sehen etliche Einheimische, die eifrig arbeiten. Das Gelände, in dessen Mitte eine große Lagerhalle steht, wirkt wie ein perfekt funktionierender großer handwerklicher Betrieb. Laster fahren ein und aus und wohin man schaut: Menschen die schweißen, sägen und hämmern.

Wir treffen Anton der Vries, den Leiter des Hilfsprojekts von Adra auf Haiti, der uns voller Leidenschaft das Projekt erklärt. Die Organisation, die auch für den Wiederaufbau des zerstörten Daches vom anliegenden Krankenhaus zuständig war, hat sich zum Ziel gesetzt den Menschen im Viertel dauerhaft eine Bleibe zu bauen und das Viertel nachhaltig lebenswerter zu machen.

Grundlage ist ein extra für die Lebensbedingungen der Menschen auf Haiti angefertigtes Haus. Ein ausgeklügeltes Konzept, das viele Dinge miteinander vereint. Die Menschen erlangen handwerkliche Fähigkeiten, lernen wichtiges über Hygiene, bauen sich schrittweise eine eigene Existenz auf, pflanzen Bäume und organisieren sich neu.

Projekt und Vorhaben sind so komplex, dass es in Worten nur schwer zu beschreiben ist, mit Bildern ist es einfacher. Vorweg nur ein paar Zahlen: Bis jetzt hat das Team um Anton bereits dafür gesorgt, dass rund 10.000 Menschen wieder ein Dach über dem Kopf haben. Viele Hektar Land auf denen derzeit etliche Bleiben für die Obdachlose entstehen, wurden organisiert, mehrere Schulen gebaut, die medizinische Versorgung in dem Viertel gesichert und über 2000 Schubkarren voller Werkzeug verteilt. Dazu konnten bereits rund 400 Haitianer eingestellt werden, die für die Sicherheit im Camp sorgen, Kinder unterrichten, Hütten bauen, Bäume pflanzen oder Müll im ADRA-Camp sammeln.

Wenn auch Sie solche Projekte wie ADRA unterstützen wollen, können Sie natürlich nach wie vor spenden:

Empfänger: Aktion Deutschland hilft e.V.
Betreff: Miniatur Wunderland hilft Haiti
Spendenkonto 10 20 30
Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00

 

Alle Berichte und Eindrücke zu Haiti finden Sie gesammelt auf diesen Blog.

ADRA,Shelter

Anton de Vries zeigt uns den Prototypen des ADRA-Shelters, der im Gegensatz zu vielen anderen Hütten Hurrikanes Stand halten soll. Dieser wird derzeit in einem angrenzenden Viertel errichtet, das von ADRA betreut und gebaut wird. Zuerst haben Alte, Gebrechliche und alleinstehende Mütter eine Hütte bekommen


Das Konzept von Adra setzt auf Nachhaltigkeit. Auf dem Gelände von ADRA ist eine Produktionsstraße entstanden, die über 20 Häuser pro Tag baut.


Gefertigt wird ausschließlich von Einheimischen. Alle übernehmen genau einen Arbeitsschritt, den sie vorher in einem dreiwöchigen Training erlernt haben. Das Holz wird bei einheimischen Händlern gekauft, um die lokale Wirtschaft zu stärken.


Hier wird ein kleines Teil mit großer Wirkung gefertigt. Haiti wird regelmäßig von Hurrikanes getroffen, die ganze Viertel wegfegen. Dieser Hurrikaneschutz sorgt dafür, dass die ADRA-Häuser stehen bleiben.


ADRA,Shelter;Ausbildung

Aber nicht nur die Handwerker werden gut ausgebildet, ebenso alle anderen Bewohner in den ADRA-Camps. Die Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich die Bevölkerung mittelfristig wieder aus eigener Kraft weiterentwickeln kann. Ein kleines Beispiel: Zu jedem Shelter gibt es eine Toilette und eine Gebrauchsanweisung. Nach einem halben Jahr wird die Toilette umgestellt und in der Grube ein Baum gepflanzt: ein ganz einfaches Konzept mit großen Folgen für Hygiene und Umwelt.


ADRA-Shelter,Werkzeuge

Eine andere Idee mit großem Erfolg: zu jedem Shelter gibt es für die Einwohner eine Schubkarre voller Werkzeug. Zudem wird Ihnen beigebracht, wie Steine produziert werden. So können sie Stück für Stück ihr Haus selber weiter bauen.


ADRA,Schulen,Uniformen

Mit als erstes hat ADRA die Schulen in den von ihnen betreuten Vierteln wieder aufgebaut, Lehrer eingestellt, Tafeln verteilt und sogar teilweise für Schuluniformen gesorgt (nicht in dieser Klasse für Erwachsene).


ADRA,Kinder

In den Vierteln von ADRA ist der Anteil der Kinder extrem hoch. Durch Schulen, work for money Programme und aufopferungsvolle Helfer, sollen diese Kinder in einer lebenswerteren Welt aufwachsen.


ADRA,Anton de Vries,Shelter,Haiti

Bei einem Spaziergang durch das Flüchtlingscamp von ADRA rufen uns Menschen im Minutentakt „Bonjour Mr. Anton“ nach. Es scheint als ob Anton de Vries zehntausende Menschen persönlich kennt. Die Visionen und der Tatendrang des Ingenieurs aus Namibia sind einnehmend.


ADRA,Shelter,Siedlungen,Haiti

Ein Problem auf Haiti ist die Landverteilung. Der größte Teil der Insel ist im Privatbesitz einiger weniger, sehr mächtiger Clans. Diese haben häufig kein Interesse Land abzugeben. Nach zähen Verhandlungen konnte das Team von ADRA jedoch einen ganzen Berg bekommen und hier entsteht nun ein Viertel für zigtausende Obdachlose in Port au Prince.


ADRA,Shelter,Haiti,Arbeitgeber

Auch beim Bau dieses neuen Viertels tritt ADRA als Arbeitgeber auf und gibt hunderten Leidgeschundenen Halt.




Kommentare (Gast)

schrieb am 20.09.2010 um 14:27 Uhr
Ich war im Februar im Rahmen der Hilfsorganisation NAVIS eV. dort. Schön, daß es dort weitergeht und diese Menschen nicht vergessen wurden.

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